Mo, 25. Mai. 2020   Bystrich, Valentin

Interview von Prof. Belke mit der polnischen Tageszeitung Rzeczpospolita zum EU Corona Recovery Fund

In seinem Interview mit der zweitgrößten polnischen Tageszeitung Rzeczpospolita kommentiert Prof. Ansgar Belke die deutsch-französischen Pläne für einen EU-Wiederaufbaufonds.

Ausschnitte aus dem Artikel „Polen könnte beginnen, die EU zu subventionieren“:

„Dies würde nicht die Freigabe von Eurobonds bedeuten, denn jedes Land würde nur den Teil der Verpflichtungen übernehmen, der seinem Anteil am EU-Haushalt entspricht", sagt Ansgar Belke, Direktor des Instituts für Volkswirtschaftslehre an der Universität Duisburg-Essen.

„Ein weiterer begrenzender Faktor wäre die Zeit. Der Fonds wäre von kurzer Dauer und die Zahlungen würden 2021 beginnen. Wie bei den Strukturfonds wird nur ein Teil der erfassten Beträge ausgegeben werden“, betont Belke.

Laut Ansgar Belke stellte sich nach dem Urteil des Bundesverfassungsgerichts heraus, dass die Aufrechterhaltung der finanziellen Stabilität der Union durch die Geldpolitik (Kauf von Anleihen) der Europäischen Zentralbank unsicher geworden ist. Und für Deutschland, einen großen Exporteur, wäre der Verlust von Märkten in Italien oder Spanien ein relativ großer Verlust. Der Wirtschaftswissenschaftler betont auch, dass der Fonds ein ausgezeichneter Marketing-Trick ist, weil er es Kanzlerin Merkel ermögliche, "ihrer Verpflichtung zur EU-Solidarität zu einem günstigen Preis nachzukommen".